Dorothea Becker – Die „Hexe“ von Bilstein


Dorothea Becker, die Ehefrau des Bilsteiner Kaufmanns und Richters Franz von der Hardt, konnte eine erste Beschuldigung der Hexerei 1575 mit Hilfe eines Anwalts und eines Reinigungseids abwenden. Da sie die Ehefrau eines angesehenen und reichen Bürgers war, hatte sie die für den Anwalt nötigen Mittel zur Verfügung. Außerdem genoss sie als Bürgerin Bilsteins persönliche Freiheitsrechte, die Leibeigene nicht besaßen. Beschuldigte ohne finanzielle Mittel und persönliche Freiheit werden deutlich schlechtere Karten gehabt haben.

Im Jahre 1590 wurde Dorothea Becker und ihrer Schwester die Schuld am Tod der Ehefrau des kurkölnischen Amtsdrosts Caspar von Fürstenberg gegeben, weil sie diese kurz vor dem Tod am Krankenbett besucht hatten. Diese Anschuldigungen wurden von anderen sogenannten Zauberern und Hexen unter Folter erhoben. Nach der Verhaftung ihrer Schwester, die im Juli 1590 hingerichtet wurde, floh Dorothea zu ihrem Sohn nach Welschen Ennest, wo sie später im Jahr verhaftet wurde. Von Ende 1590 bis Ende Januar 1593 wurde sie inhaftiert und in dieser Zeit mehrfach gefoltert, um ein Schuldeingeständnis zu erzwingen. Sie blieb aber dabei, ihre Unschuld zu beteuern, so dass sie schließlich aus Mangel an Beweisen freigesprochen und des Landes verwiesen wurde. Caspar von Fürstenberg erwirkte 1595 eine Begnadigung, die ihr die Rückkehr nach Bilstein ermöglichte.

Die Beschuldigungen gegen die Familie gingen aber weiter. 1597 wurde Franz von der Hardt aus dem Amt des Richters in Bilstein entfernt, weil er angeblich Steuergelder veruntreut haben sollte. Er konnte auf Fürsprache des Caspar von Fürstenberg gegen die Zahlung von 3000 Gulden freikommen, starb aber 3 Jahre später im Februar 1600. Die zu zahlende Strafe war auch zu damaligen Zeiten ein großes Vermögen. Ein rheinischer Goldgulden hatte um das Jahr 1500 einen Goldgehalt von 18,5 Karat. Das entspricht 2,527 g, was sich bei 3000 Goldgulden Strafe zu einem Gesamtgewicht von 7,5 kg Gold addierte. Anfang 2019 entsprach das einem Wert von 280.000 Euro. Die Familie von der Hardt war offenbar sehr wohlhabend und hatte daher sicherlich viele Neider.


Weiterführende Informationen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dorothea_Becker
http://dorothea-becker.de/index.html