Familie Schlüter


Dietrich Derenthal heiratete um 1490 Berta Schlüter, die Tochter von Tile Schlüchter (oder Slüter, Sluyter) der aus Bodenwerder, wo er bereits Bürgermeister gewesen war, nach Höxter umsiedelte. Rüthing berichtet davon, dass Tile wegen einer Verfassungsänderung in Bodenwerder (1496) sich vermutlich in seinen politischen Kompetenzen beschnitten gesehen habe. Wirtschaftliche Gründe werden es nicht gewesen sein, denn er war schon in Bodenwerder ein sehr wohlhabender Mann und einer der wenigen Zugezogenen, die in Höxter innerhalb kürzester Zeit in die politische Führungsspitze eintrat. Er bewohnte den Stockhof am Alten Markt (heute die sog. Dechanei, Umbau des Gebäudes gegen 1561) unmittelbar nördlich der Nikolaikirche, den er von der Witwe Gottschalk Logerens kaufte. In unmittelbarer Nachbarschaft wohnte auch sein Schwiegersohn Dietrich Derenthal. Tile Schlüter erwarb wie die Familie Derenthal umfangreiche Lehns- und Zehntrechte, eine damals weit verbreitete Art und Weise Geld anzulegen. Verschiedene Quellen berichten davon, dass die Erträge der Lehnshöfe im Allgemeinen 5-7% Zinsen im Jahr auf das eingesetzte Kapital abwarfen. Tile Schlüter lieh unter anderem dem Knappen Hermann Hake aus dem niedersächsischen Geschlecht von Hake größere Summen Geld. Im Gegenzug erhielt er 1491 den Anteil Hakes am Zehnten zu Pegestorf und 1501 den gesamten Zehnten zu Pegestorf, den dortigen Meierhof sowie den halben Zehnten zu Heygen und Linse[1]. Für einen tiefergehenden Einblick in die Gesellschaftsstrukturen einer mittelalterlichen Stadt kann Rüthings „Höxter um 1500“ empfohlen werden, in dem man auf Schritt und Tritt den eben vorgestellten Familien begegnet.


Weiterführende Literatur:
[1] Hake, F. A.: Geschichte der Freiherrlichen Familie von Hake in Niedersachsen. Hameln 1887. S. 114-127
Rüthing, Heinrich: Höxter um 1500. Paderborn 1986